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Reliefierte Fassaden aus Eisen, Glas und Stein

Emblematische Detailfülle, individuell und frei von Stereotypie

Gegenstand der Erkundungen unserer Studienexkursion nach Brüssel im Oktober 2010 waren die Hausfassaden des Art Nouveau mit ihren reichen architektonischen Gliederungen. Wir sind der Frage nachgegangen, mit welchen gestalterischen Mitteln vor mehr als einem Jahrhundert die Jugendstil-Architekten ihre Bauten normativ ausgestattet haben: Für den städtischen Auftritt mit opulenten theatralischen Fassadenkleidern, immer anmutig, spielerisch, fast schon poetisch, manchmal auch mit großem künstlerischen Pathos und narzißtischer Attitüde, aber stets individuell gestaltet – Kompositionen aus Eisen, Glas und Stein voller Raffinement.

Wohnhaus Saint-Cyr, 1903 (Arch. Gustave Strauven): Barockartig verspielte Bekrönung des obersten Stockwerks mit einer runden Öffnung und dahinterliegender Loggia sowie einer schmiedeeisernen Haube


Haus des Diplomaten Edmond van Eetvelde, 1885-87 (Arch. Victor Horta): Vorspringende Fassade auf Eisenkonsolen mit genieteten Eisenträgern und Wandmosaik über zurückgesetztem EG


Haus des Geometrieprofessors Emile Tassel, 1892/93 (Arch. Victor Hora): Schmale Fassade aus gelblichem Kalkstein, deren Mittelachse sich zu einem zweigeschossigen Erker vorwölbt, bekrönt von einem Balkon


Haus des Industriellen Alfred Solvay, 1895 – 1900 (Arch. Victor Horta): Dem Vorbild von Haus Tassel folgend wurde an der Straßenfassade das Motiv des Erkers verwendet, jedoch verdoppelt und mit einer wellenförmigen Bewegung quer über die ganze Fassade. Die rhythmische Bewegung erfasst in der Fassadengestaltung nicht nur den Stein, sondern auch alle offen gezeigten ornamentalen Metallteile.

Haus Horta, 1898-1900: Steinfassade von großer Eleganz und Schönheit mit schlanken, sehnigen und statisch effektiven Details aus Eisen – eine harmonische Materialsynthese aus Stein, Eisen und Holz


Kaufhaus Old England, 1898 (Arch. Paul Saintenoy): Stahlbau mit schmiedeeisernem Fassadendekor


Maison Rue de Luther 28, 1902 (Arch. Gustave Strauven): Schmales und extravagantes Jugendstilhaus ähnlich wie das Haus Saint-Cyr, aber ohne die märchenhafte Ausstrahlung

Haus Van Dyck, 1901 (Arch. Gustave Strauven): Asymmetrische Fassade mit schmiedeeisernen Gittern und floral-gotisierenden Bauformen bekrönt von einem exaltierten Giebel

Auch heutzutage gehen Architektur und Ornament wieder eine Liaison ein, wie in meinen Blogbeiträgen (Ornament v. 26.03.10 u. a.) bereits thematisiert.

Girlandenartig bekrönendes Rahmenornament, über alle Funktionalität hinaus: Eleganz, Phantasie, Musikalität, Poesie, …

On our Architecture trip to Brussels in October 2010 we saw many unique and peculiar Facades of iron, glass and stone. We were interested in the facades of the Art Nouveau with its rich architectural outlines and investigated the question, with which creative means more than a century ago, the Art Nouveau architects dressed their buildings with opulent theatrical facades for the urban appearance: almost poetic, sometimes with great artistic pathos and narcissistic attitude and always customized. The results are compositions of iron, stone and glass full of refinement. Even today architecture and ornament go back on an affair, as in my blog posts already discussed.

3 Kommentare zu “Architektur-Erkundungen in Brüssel

  1. Pingback: August Endell | ARCHBLOG

  2. Pingback: Brüssel-Exkursion 2012_2 | ARCHBLOG

  3. Pingback: Brüssel: Wie im Rausch | ARCHBLOG

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