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„Leben, Tod und Essen: Das interessiert mich.“ (Daniel Spoerri)

Daniel Spoerris Assemblagen, Fallenbilder und skurrile Objektkunst


In der Ausstellung „Weißt Du, schwarzt Du“ im Arp Museum Bahnhof Rolandseck werden bis Januar 2011 Plastiken des berühmten Objektkünstlers Daniel Spoerri gezeigt, der sich Zeit seines Lebens mit der Erweiterung des Kunstbegriffs befasst, wie ihn Marcel Duchamp u. a. mit den Dadaisten in den 20er Jahren einläutete. Auch der Titel der Ausstellung ist einem dadaistischen Gedichtzyklus von Hans Arp entlehnt.

Natürlich fehlen Spoerris berühmte Eat-Art-Bilder (Tableau piège) nicht, die ihn in den 1960er Jahren berühmt gemacht haben. Der heute 80jährige Spoerri gilt als Erfinder der Eat-Art, die dem Nouveau Réalisme zuzuordnen ist. Spoerri betrieb seinerzeit in der Düsseldorfer Altstadt ein legendäres Eat-Art-Restaurant, wo Beuys kochte und Uecker den Eingang vernagelte und wo vor allem seine so genannten Tableaux pièges(Fallenbilder) mit Resten von beendeten Mahlzeiten als plastische Momentaufnahmen bzw. als dreidimensionale Stillleben entstanden. Wie in einer Falle wurde damit ein Stück Alltagsrealität eingefangen. Die Ausstellung im Arp Museum zeigt eine Reihe dieser Hinterlassenschaften von Mahlzeiten mit leeren Flaschen, vollen Aschenbechern, schmutzigen Tellern und Tassen. Die sinnliche Komponente des Essens hat Spoerri in ein materialisiertes Kunstwerk überführt.


Als Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie leisteten wir uns seinerzeit – wegen der hohen Restaurantpreise eher selten – in Spoerris Eat-Art-Lokal ein Löwensüppchen mit Blattgold oder ein Kartoffelbrei-Eis, wobei man die übliche Speisenfolge auch gern verkehrte und uns der Espresso vorweg als Suppe serviert wurde. Eat-Art – Eat-Spaß – Neo-Dadaismus eben. Vielleicht ist eine Momentaufnahme auch unseres abgegessenen Tisches bei seinen Fallenbildern dabei?

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausstellung der mystisch wirkenden monumentalen Skulpturen und exotischen Assemblagen.

Unterschiedlichste Fundstücke wie banale Alltagsgegenstände, tierische Knochen, bizarre Objekte wurden zu seltsamen, obstrusen Artefakten zusammengefügt: eine Reihung von Kinderstühlen mit geschmückten Totenköpfen, ein Stelenwald aus aufgeständerten Fetisch artigen hölzernen Hüten mit „Hutfedern“ aus Buschmessern, Sägen und Sicheln, kuriose Figuren auf monströsen Rädern, ungeheuerliche Assemblagen mit Tierschädeln und Gummistiefeln und vieles mehr…

Eine wunderbare Ausstellung – spannend, gruselig, witzig!

Man verlässt das Museum bereichert und zutiefst beseelt. Allein das von Richard Meier geplante, 2007 eröffnete Arp Museum in Rolandseck ist ja schon wegen seiner Architektur einen Besuch wert.

Ein Kommentar zu “Objekt kunst

  1. Pingback: Richard Meier | ARCHBLOG

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