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Kunst als Motiv – Roy Lichtenstein in Köln

Mit einem der eindrucksvollen Paintings aus der Serie der „Brushstrokes“ weist das Kölner Museum Ludwig auf seine Sommerausstellung hin. Das minimalistische Motiv eines stilisierten Pinselstrichs animiert zum Besuch der großformatigen Gemälde des Pop Art Meisters Roy Lichtenstein (1923-1997). Mit solchen tropfenden Pinselhieben verhöhnte Lichtenstein auf sublime Weise das „Action Painting“.

Runderneuerter Matisse: Artist´s Studio „The Dance“, 1974 (245 x 325 cm)

Lichtenstein wurde zum Nestor der amerikanischen Pop Art, indem er thematisch die Ästhetik der Werbegrafik aufgriff und zum Thema seiner Kunst machte. Die Ausstellung mit dem Titel „Kunst als Motiv“ beleuchtet aber nicht so sehr die Hauptthematik der Pop-Art, die ironische Verherrlichung der Konsumwelt in der Kunst. Vielmehr liegt das Hauptaugenmerk auf Werken Lichtensteins, die ihr Motiv in den Werken anderer Künstler der Kunstgeschichte suchten und fanden.

Der italienische Futurismus “verlichtensteint“: The Red Horseman, 1974 (213,5 x 284,5 cm)

Mit der ihm eigenen Bildsprache zitiert Lichtenstein subversiv diese berühmten Werke und löst so die Hierarchien zwischen affirmativer Kunst und Trivialität auf. Dabei lassen die Werke Lichtensteins keinen Augenblick Zweifel an der Urheberschaft des Motivs. Im für Lichtenstein typischen Formvokabular aus Farbflächen und indifferenten Rasterpunkten (benday dots) werden u. a. seine Matisse-Paraphrase „Artist´s Studio – The Dance“ und seine Paraphrase auf den Italienischen Futurismus „The Red Horseman“ gezeigt. Auch klassische Motive wurden – teils mittels Schablone, teils Freihand mit expressiver Geste – zu „Lichtensteins“ verarbeitet, wie zum Beispiel die berühmte Laokoon-Skulpturengruppe.

Zitierkunst des postmodernen Adaptionskünstlers Lichtenstein: Laokoon, 1988 (305 x 259 cm)

Pop Art war das grelle, farbige Intermezzo der jüngeren Kunstgeschichte. Das Wiedersehen fällt heute temperamentloser und nüchterner aus. Insgesamt wirkt die etwas magere Ausstellung in Köln museal angestaubt und gut abgehangen, was sicherlich auch an der biederen, einfallslosen Präsentation liegen mag.

In der ständigen Sammlung des Museum Ludwig hängt sein comicartiges „M-Maybe“ (1965, 152,4 x 152,4 cm). Diese Comic-Klassizismus-Ikone gehört zu seinen Sprechblasen-Bildern; heute hat das weinende Mädchen seine Exotik eingebüßt.

Aber auch ein Besuch seiner „aseptischen“ Comic-Ikonen wie „Das blonde Mädchen“ in der ständigen Ausstellung des Ludwig-Museums lässt keine Begeisterung mehr aufkommen. Das Thema von einst ist in die Jahre gekommen. Die Alltagsikonographie entspricht nicht mehr dem Lebensgefühl von heute. Die Bilder sind metaphysisch leer, was auch so gewollt war. Damals war man von der ästhetischen Darstellung von Warenwelt und Comics beeindruckt. Heute fällt es den studentischen Museumsbesuchern nicht leicht, die Begeisterung von damals nachzuvollziehen.

Henner Herrmanns

3 Kommentare zu “Kunst geschichte

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