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Moscheen – Studien

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Für den 7. Juni 2010, 17.30 h hat der Stadtrat von Höhr-Grenzhausen eine Sondersitzung einberufen, in der Architekturstudenten/innen der Fachhochschule Koblenz ihre Entwürfe für die neue Moschee im Stadtteil Höhr präsentieren werden. Vorgestellt wird eine Auswahl der besten Entwurfsarbeiten, aus einer Vielzahl von kreativen Entwurfsstudien, die in einem größeren Kreis mit den Mitgliedern des Stadtrates und Vertretern des türkischen Kulturvereins diskutiert werden sollen. (Siehe auch Blogbeitrag v. 12.03.10).

In Deutschland leben 3,5 Mio. Muslime, meist Türken, die ihren Glauben in schätzungsweise 2.600 sogenannten Hinterhof-Moscheen ausüben. Diese Räume, die eigentlich nur Provisorien darstellen sollten, sind zum größten Teil in äußerst schäbigen Gebäuden untergebracht. Dabei ist der Bau von Kirchen, Synagogen und Moscheen in Deutschland durch das Grundgesetz im Artikel 4 geregelt. Um ihrer Religion nachgehen zu können, ist es allen Glaubensgemeinschaften in der Bundesrepublik möglich, nach Erhalt einer Baugenehmigung, ein Gotteshaus zu errichten. Hierzulande sind momentan etwa 200 repräsentative Moscheen – also solche mit Kuppel und Minarett – in der Planung. Gerade diese führen jedoch in der Bevölkerung häufig zu heftigen Konflikten. Aus diesem Grund wurde beispielsweise in der Schweiz per Volksentscheid der Bau von Minaretten untersagt.

Aufgabe war, mit dem Entwurf einer Moschee den muslimischen Traditionen und Anforderungen eine religiöse Heimat zu geben, jedoch ohne auf die osmanische Interpretation mit Zentralkuppel und spitzem Minarett, die aus der türkischen Heimat der Migranten importiert wird, einzugehen. Vielmehr soll das neue Gebäude den urbanen Raum städtebaulich und architektonisch adäquat bereichern und auch den ästhetischen Parametern unserer westlichen Kultur entsprechen. Der besondere gesellschaftliche und politische Aspekt beim Bau einer Moschee in einem christlich geprägten Land verlangt einen sensiblen Umgang mit der Problematik.

Es stellt eine hochinteressante Herausforderung dar, sich als Architekt in die fremde Religion und ihren Ritus hinein zu denken. Die Bauaufgabe ist – anders als beim Kirchenbau mit seinen definierten Parametern – nicht kanonisiert, woraus genuin kreative Optionen für den Entwurf erwachsen können. Nur die Bet-Richtung ist a priori festgelegt. Für den Architekten ist der Entwurf eines sakralen Bauwerks etwas ganz Besonderes, da hier seine ganze Konzentration auf die essentiellen Elemente Körper und Raum fokussiert wird.

Prof. Henner Herrmanns

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