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„Dilexit Ecclesiam“

Die nahe gelegenen Burgen am Mittelrhein waren es wohl, die den Architekten Alexander Freiherr von Branca aus München zum Entwurf der hermetischen Architektur der Anbetungskirche auf Berg Schönstatt in Vallendar inspiriert haben. So entstand die mächtige, majestätische Anbetungskirche als Gottesburg, die 1968 – noch zu Lebzeiten des Gründers der Schönstattbewegung Pater Joseph Kentenich – eingeweiht wurde. Sein in der Kirche aufbewahrter Sarkophag trägt die Inschrift „Dilexit Ecclesiam”.


Pate gestanden hat fraglos auch Le Corbusiers Kapelle Notre Dame du Haut in Ronchamp, die in ganz Westeuropa großen Einfluss auf den Sakralbau der Nachkriegszeit ausgeübt hat. Wie beim visionären französischen Vorbild ist im Inneren der Schönstatter Hallenkirche  die schwere Dachschale von den Seitenwänden durch Lichtschlitze gelöst. Somit wird baulich eine immaterielle, metaphysische Wirkung erzeugt. Die tonnenschwere, massive Sichtbeton-Decke liegt als Raumabschluss auf dem Oratorium, scheint jedoch gleichzeitig als Himmel zu schweben. Die Idee einer Gottesburg ist auch innen ablesbar. Grob gebrochene Mauersteine von graublau bis braun lebhaft nuanciert, wurden in einer Art Läuferverband verlegt und assoziieren eine gesicherte Zufluchtstätte. Auch im formalen Erscheinungsbild zeigen sich Parallelen zu Ronchamp wie in Anzahl und Form der drei dominanten Schalentürme.

Berg Schönstatt mit seiner lyrischen Architektur aus sichtbarem Bruchstein und Beton ist zweifellos ein besonderer, ein spiritueller Ort, ein vom profanen Alltag abseits liegender hortus conclusus. Die Anbetungskirche bildet nur den Nukleus mehrerer Implantate moderner Architektur, die als Ensemble der ordensähnlichen Kommunität der Schönstätter Marienschwestern dienen. Diese kraftvollen Bauten stellen nicht nur eine ausdrucksvolle steinerne Manifestation des christlichen Glaubens dar, sondern zählen zu den architektonisch herausragenden Bauwerken im nördlichen Rheinland-Pfalz.

 


Das blockhafte Gebilde der Kirche mit zwei von drei U-förmigen Türmen

Der erhöhte Kirchplatz mit Brunnen, links einer der Türme, im Hintergrund eine der beiden anderen Turmspitzen

 

Prof. Henner Herrmanns

2 Kommentare zu “Sakralbau

  1. Sehr geehrter Herr Prof. Herrmanns,

    wir freuen uns sehr über Ihren Beitrag. Dürfen wir auf diesen Beitrag hinweisen bzw. auch daraus zitieren, wenn es angebracht erscheint?

    Und eine zweite Frage: Kennen Sie auch die Pilgerkirche? Ihre Deutung wäre hier ebenfalls interessant.
    Die Deutung aus architektonischer Sicht gibt noch einmal andere Anknüpfungspunkte, um unsere Spiritualität zu erschließen.

    Mit herzlichem Dank und Gruß
    Schw. M. Anne-Meike

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